Dot-Com Redux?

Viele Anleger sind trotz ihrer starken Performance in den letzten Jahren vorsichtig mit Technologietiteln. Die Implosion der Dotcom-Blase in den frühen 2000er Jahren wirft einen langen Schatten.

Solche Ängste können übertrieben werden. Die Gewinne des technologieintensiven NASDAQ und des S & P 500 in den letzten Jahren sind moderater als die schnellen Sprünge um die Jahrtausendwende. Das gibt eine gewisse Sicherheit, dass die Situationen nicht ganz analog sind.

NASDAQ und S & P 500 Performance

Quelle: FactorResearch

Aber wenn sich die Geschichte nicht wiederholt, kann sie sich trotzdem reimen. Wie voll sind heute Technologiewerte, insbesondere das leistungsstarke FAANG-Quintett von Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google? Schließlich zeigt die Dotcom-Blase unter anderem die Risiken überfüllter Aktien. Eine plötzliche Änderung der Marktstimmung kann dazu führen, dass viele Anleger versuchen, dieselben Aktien gleichzeitig zu entladen. Da nur noch wenige natürliche Käufer auf dem Markt sind, können sich die Verluste verstärken.

Crowding-Metriken

Um die Überfüllung im gesamten Technologiesektor zu messen, leihen wir uns ein Modell aus, das die Überfüllung von Eigenkapitalfaktoren misst. Angesichts der starken Performance von Technologietiteln in den letzten Jahren sind viele derzeit im Long-Momentum-Faktor-Portfolio enthalten, das die Gewinn- und Short-Positionen der Verlustaktien kauft. Zu bestimmten Zeiten, die derzeit unter ihnen sind, weist der Momentumfaktor eine erhebliche Exposition gegenüber dem Technologiesektor auf und bietet ein nützliches Vergleichsmittel. Das Crowding-Modell zielt darauf ab zu identifizieren, wann der Technologiesektor oder der Momentumfaktor überfüllt ist, was dadurch gekennzeichnet ist, dass mehr nachfolgende Drawdowns auftreten als in einem nicht überfüllten Sektor oder Faktor.

Verschiedene Methoden messen das Gedränge. Unser Ansatz konzentriert sich auf vom Markt abgeleitete Metriken, die täglich oder sogar innerhalb eines Tages verfügbar sind. Wir kombinieren fünf Maßnahmen, die indirekt Veränderungen in der Branche oder im Faktor widerspiegeln und häufig anzeigen, wann signifikante Zu- oder Abflüsse auftreten. Sie sind:

  • Restvolatilität
  • Restkorrelation
  • Restdispersion
  • Bewertungsunterschied zum Markt
  • Performance

Alle diese Metriken korrelieren positiv mit der Überfüllung. Das heißt, je höher die verbleibende Volatilität oder je größer die Bewertungsdifferenz zum Markt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Überfüllung kommt.

Wir standardisieren die fünf Metriken und kombinieren sie zu einer Punktzahl. Nach dem nachstehenden Modell war der Technologiesektor im Jahr 2000 und 2018 überfüllt. Der Momentumfaktor war auch im Jahr 2000 überfüllt, als er ein erhebliches Engagement im Technologiesektor aufwies. Es war auch während der Finanzkrise 2008 und 2016 überfüllt.

Multimetrische Crowding Scores

Quelle: FactorResearch

Wir können die Wirksamkeit dieses Ansatzes untersuchen, indem wir die Drawdowns des Impulsfaktors nach der Messung des Crowding-Scores analysieren. Die folgende Analyse zeigt, dass ein überfüllter Faktor mit höheren nachfolgenden Drawdowns verbunden ist.

Momentum Factor Crowding: Wahrscheinlichkeit eines Drawdowns von 15% oder mehr

Quelle: FactorResearch

Die Anwendung der gleichen Methodik auf den Technologiesektor funktioniert auch: Ein überfüllter Sektor weist häufiger nachfolgende Drawdowns auf als ein nicht überfüllter. Diese Drawdowns werden relativ zum Markt gemessen.

Tech Sector Crowding: Wahrscheinlichkeit eines Drawdowns von 15% oder mehr

Quelle: FactorResearch

Aktueller Crowding-Schnappschuss

Das unten stehende Bewertungs-Dashboard bietet eine aktuelle Momentaufnahme aller zusammengefassten Kennzahlen und zeigt, dass sowohl der Technologiesektor als auch der Momentum-Faktor überfüllt waren, wobei alle Kennzahlen mit Ausnahme der Korrelation der Technologiewerte positiv bewertet wurden. Der Sektor und der Faktor schienen bei den Bewertungen besonders überfüllt zu sein, was nicht allzu überraschend sein dürfte, während die Technologieaktien volatiler als gewöhnlich waren. Momentum-Faktor-Aktien zeigten ebenfalls eine höhere Streuung als die Norm.

Crowding-Modell: Score-Dashboard

Quelle: FactorResearch

Crowding ist nicht negativ für die Performance eines Faktors oder Sektors an sich. Schließlich braucht jede Investition ein gewisses Interesse, um Performance zu generieren. Ein nicht überfüllter Sektor oder Faktor zeigt ein mangelndes Anlegerinteresse und ist daher nicht besonders attraktiv. Der optimale Zustand ist zwischen überfüllt und nicht überfüllt, nicht zu heiß und nicht zu kalt.

Weitere Gedanken

Der jüngste Ausverkauf von Technologie, insbesondere bei FAANG-Aktien, führte zu erneuten Vergleichen des heutigen Technologiesektors mit dem Jahr 2000. Der Sektor ist jedoch gereift und enthält viele hochprofitable, stabile Unternehmen, sodass er weitaus weniger riskant ist als vor zwei Jahrzehnten.

Die aktuellen relativen Bewertungen sind hoch, aber die Messung des Sektorrisikos anhand von Bewertungen ist keine perfekte Wissenschaft. Die Bewertungen können über lange Zeiträume erhöht werden, oft viel länger als der Zeithorizont der meisten Anleger.

Anleger sollten besser auf mehrere Signale hören, um Portfoliorisiken zu messen.

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Alle Beiträge sind die Meinung des Autors. Als solche sollten sie weder als Anlageberatung ausgelegt werden, noch spiegeln die geäußerten Meinungen notwendigerweise die Ansichten des CFA-Instituts oder des Arbeitgebers des Autors wider.

Bildnachweis: © Getty Images / Dina Marian

Nicolas Rabener

Nicolas Rabener ist Geschäftsführer von FactorResearch, das quantitative Lösungen für Factor Investing anbietet. Zuvor gründete er Jackdaw Capital, einen quantitativen Investmentmanager, der sich auf aktienmarktneutrale Strategien konzentriert. Zuvor war Rabener bei GIC (Government of Singapore Investment Corporation) tätig und konzentrierte sich auf Immobilien in verschiedenen Anlageklassen. Er begann seine Karriere bei Citigroup im Investment Banking in London und New York. Rabener hat einen MS in Management von der HHL Leipzig Graduate School of Management, ist CAIA-Charter-Inhaber und betreibt Ausdauersport (100 km Ultramarathon, Mont Blanc, Kilimandscharo).