Die Börsenkapitalisierung im Verhältnis zum BIP – der sogenannte Buffett-Indikator – misst die Größe der Aktienmärkte im Verhältnis zur Wirtschaft. Da das Wachstum des Unternehmenssektors vom Wirtschaftswachstum abhängt, wird erwartet, dass sich die beiden Inputs des Indikators langfristig synchron bewegen.

Was ist der Trend in den USA?

Die Flugbahn des Buffett-Indikators in den letzten 50 Jahren weist zwei Hauptmerkmale auf:

1. Ein steigender Trend

Die Kurve befindet sich in einem ziemlich kontinuierlichen Aufschwung mit einer deutlichen Beschleunigung in den letzten Jahren. Was erklärt dieses Verhalten? Das Wachstum des Privatsektors im Verhältnis zur Wirtschaft ist wahrscheinlich ein Schuldiger. Dies geschah, als der Beitrag der Regierung zum BIP im letzten halben Jahrhundert allmählich zurückging.

Verhältnis der Kapitalisierung der US-Aktienmärkte zum BIP

Quellen: Alle Diagramme stammen aus Daten von St. Louis Fed, BEA und Earthen Street Capital.
Anmerkungen: Das BIP für das 3. Quartal 2020 wird als Proxy für das BIP 2020 verwendet. Der Wilshire 5000 Index wird als Proxy für den gesamten Aktienmarkt verwendet.

US-Aktienmarktkapitalisierung im Vergleich zum nominalen BIP in USD Milliarden

Das Wachstum der Geldmenge hat diese Beschleunigung ebenfalls angeheizt. Die US-Notenbank hat die Zinssätze seit Anfang der 1980er Jahre stetig gesenkt, und die zusätzliche Währung, die dies in das System eingebracht hat, hat dazu beigetragen, den Aktienmarkt voranzutreiben. Mit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise (GFC) im Jahr 2007 hat die Fed ihr Programm zur quantitativen Lockerung (QE) eingeführt. Danach übertraf das Wachstum der Aktienmarktkapitalisierung das des BIP bei weitem. Mit anderen Worten, QE half den Aktienmärkten mehr als der Wirtschaft.

US-Börsenkapitalisierung vs. Geldmenge in USD Milliarden

2. Perioden scharfer Spitzen und Täler

Die Kurve zeigt vier Fälle scharfer Spitzen im letzten halben Jahrhundert. Jeder der ersten drei ging einer geplatzten Aktienblase und einer Rezession voraus, bevor er den Tiefpunkt erreichte:

  • 1972–1974: Der Buffett-Indikator erreichte 1972 einen Höchststand von 0,85x und fiel dann bis 1974. Dies entspricht der Rezession von 1973–1975, die teilweise auf den ersten Ölschock und den Börsencrash von 1973–1974 zurückzuführen war.
  • 1999–2002: Die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum BIP erreichte 1999 das 1,43-fache und ging dann zurück und erreichte 2002 ihren Tiefpunkt. Was ist passiert? Die Dotcom-Blase platzte und die Wirtschaft fiel 2001 in eine Rezession. Der Aktienmarkt erreichte im Jahr 2000 seinen Höhepunkt und erreichte erst 2002 seinen niedrigsten Stand. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Fed die Zinssätze gesenkt, was zur Wiederbelebung der Wirtschaft und der Wirtschaft beitrug trug auch zum Beginn einer Immobilienblase bei.
  • 2007–2008: Der Buffett-Indikator erreichte 2007 einen Höchstwert von 1,03, bevor er 2008 inmitten des GFC und der Rezession von 2007–2009 auf seinen Tiefpunkt fiel. Der Aktienmarkt erreichte 2007 seinen Höhepunkt und erholte sich erst 2009, als das QE-Programm der Fed in Gang kam.

Heute sind wir mitten im vierten Gipfel. Die Frage ist nur, wann es seinen Gipfel erreichen und seinen Abstieg beginnen wird.

Aktuelle Abweichung vom Trend

Die Aktienmarktkapitalisierung stieg nach dem Start der QE im Jahr 2009 gegenüber dem nominalen BIP an. Die aktuelle Runde der COVID-19-induzierten QE hat diese Abweichung noch weiter vergrößert. Der Buffett Indicator betrat 2013 das überteuerte Gebiet, als er die 1,0-fache Linie überschritt. Dies implizierte effektiv, dass börsennotierte Unternehmen mehr wert waren als die gesamte wirtschaftliche Produktion. Oder dass der Markt für die nächsten Jahre ein extrem hohes Wirtschaftswachstum erwartet.

Ende 2020 lag die Marktkapitalisierung im Verhältnis zum BIP bei etwa 1,86x. Dies deutet darauf hin, dass öffentliche Unternehmen mittlerweile fast doppelt so groß sind wie die Wirtschaft. Das derzeitige Missverhältnis zwischen Aktienmarktkapitalisierung und BIP ist das höchste und am längsten anhaltende in den letzten 50 Jahren.

Erwartungen

Jedes Mal, wenn die Marktkapitalisierung so stark vom BIP abgewichen ist, ist sie genauso schnell zurückgegangen. Wenn also Vergangenheit ein Prolog ist, können wir einen raschen Rückgang der Aktienmärkte erwarten. Während niemand den Höhepunkt nennen kann, könnte eine der möglichen Auslöser für einen Abschwung eine überraschende Politik der Joseph-Biden-Regierung, eine erneute Verjüngung der Fed, eine Verschlechterung der COVID-19-Entwicklungen oder eine globale Konjunkturabkühlung sein.

Das Timing des Marktes ist immer ein Kinderspiel, aber der Buffett-Indikator blinkt rot und das schon seit einiger Zeit. Vorsicht ist also das Schlagwort.

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Alle Beiträge sind die Meinung des Autors. Als solche sollten sie weder als Anlageberatung ausgelegt werden, noch spiegeln die geäußerten Meinungen notwendigerweise die Ansichten des CFA-Instituts oder des Arbeitgebers des Autors wider.

Bildnachweis: © Getty Images / Ioannis Tsotras

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Dhruv Goyal, CFA

Dhruv Goyal, CFA, ist der Gründer von Earthen Street Capital. Er ist spezialisiert auf globales Makro-Research sowie auf Staatsanleihen und Währungsinvestitionen. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Branche und hat zuvor bei Nationwide Insurance, der Wisconsin Alumni Research Foundation und der CUNA Mutual Group in den USA gearbeitet. Er hat einen MBA von der University of Wisconsin-Madison und ist CFA Charterholder.