Der durchschnittliche Analyst bietet keinen Mehrwert.

Dies ist etwas, das alle Anleger sicher wissen: Das Befolgen von Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Analysten wird auf lange Sicht nicht zu einer Outperformance führen.

Oder ist es?

Eine neue Studie könnte Zweifel an der konventionellen Weisheit aufkommen lassen.

Vitor Azevedo und Sebastian Müller, CFA, untersuchen in „Analystenempfehlungen und Anomalien auf der ganzen Welt“ von 1994 bis 2019 3,8 Millionen Analystenprognosen in 45 Ländern und Regionen. Während das Papier viele interessante Ergebnisse enthält, muss ich auf einige zurückkommen Heute betreffen die überzeugendsten Datenpunkte die beliebtesten und am meisten gehassten Aktien der Analysten. Azevedo und Müller vergleichen die oberen und unteren 20% der Aktien anhand von Empfehlungen von Konsensanalysten und stellen fest, dass US-Analysten bei gleicher Gewichtung im Durchschnitt keine Outperformance erzielten. Dies ist allerdings kaum überraschend: Diese Ergebnisse bestätigen lediglich die Wahrnehmung der Bevölkerung. Warum solche Empfehlungen in der Praxis nicht funktionieren, hat möglicherweise etwas mit der Präferenz der US-Analysten für Wachstums- und Glamour-Aktien zu tun.

Dies sind jedoch nur Empfehlungen von US-Analysten. Was ist mit denen von Analysten in anderen Märkten? Es stellt sich heraus, dass sich ein ganz anderes Bild ergibt, sobald sich der Fokus außerhalb der USA verschiebt. In jedem entwickelten Markt – und in fast allen Schwellenländern – führte die Befolgung von Analystenempfehlungen im Laufe der Zeit zu einer bedeutenden Outperformance.

In der folgenden Grafik habe ich die Ergebnisse nur für die in die Studie einbezogenen Industrieländer gesammelt. Die Vereinigten Staaten sind ein bedeutender Ausreißer.

Analystenkonsens Aktienempfehlungen: Performance nach Markt

Quelle: Vitor Azevedo und Sebastian Müller, CFA: „Empfehlungen und Anomalien von Analysten weltweit.“

Was unterscheidet diese Studie von früheren Untersuchungen, die die allgemeine Auffassung begründeten, dass Konsensempfehlungen von Analysten nutzlos sind? Warum sind die Ergebnisse so unterschiedlich? Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Daten von Azevedo und Müller zwei wichtige Bärenmärkte abdecken: den Dotcom-Crash der frühen 2000er Jahre und die globale Finanzkrise (GFC) später im Jahrzehnt. So konnte die Studie analysieren, ob Analystenempfehlungen auf Bullen- oder Bärenmärkten besser funktionieren. Und wie wir vielleicht erwartet haben, sorgen Analystenempfehlungen in einer Phase niedriger Stimmung wie der eines Bärenmarkts oder einer Finanzkrise für mehr Performance als in Zeiten bullisch hoher Stimmung.

Ursache und Wirkung sind hier schwer zu unterscheiden. Haben Analysten tiefere Einblicke als die meisten Anleger und sind daher besser in der Lage, die Trümmer einer Krise zu durchforsten und die wirklich guten Aktien auszuwählen? Oder suchen Anleger bei Analysten nach Ratschlägen und befolgen ihre Empfehlungen während einer Krise genauer und verwandeln so ihre Kauf- und Verkaufsempfehlungen in so etwas wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen?

Was auch immer die Antwort sein mag, die Studie legt nahe, dass Anleger die konventionelle Weisheit in Bezug auf Analystenempfehlungen überdenken möchten. Sie können doch einen Mehrwert schaffen.

Weitere Informationen von Joachim Klement, CFA, erhalten Sie nicht 7 Fehler, die jeder Investor macht (und wie man sie vermeidet) und Risikoprofilierung und Toleranz, und melden Sie sich für seinen Kommentar zu Klement on Investing an.

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, vergessen Sie nicht, den unternehmungslustigen Investor zu abonnieren.

Alle Beiträge sind die Meinung des Autors. Als solche sollten sie weder als Anlageberatung ausgelegt werden, noch spiegeln die geäußerten Meinungen notwendigerweise die Ansichten des CFA-Instituts oder des Arbeitgebers des Autors wider.

Bildnachweis: © Getty Images / Maksim Rumiantsev

Joachim Klement, CFA

Joachim Klement, CFA, ist Treuhänder der CFA Institute Research Foundation und bietet bei Klement on Investing regelmäßig Kommentare an. Zuvor war er CIO bei Wellershoff & Partners Ltd. und zuvor Leiter des Strategic Research-Teams von UBS Wealth Management und Leiter der Aktienstrategie von UBS Wealth Management. Klement studierte Mathematik und Physik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich (Schweiz) und Madrid (Spanien) und schloss sein Studium mit einem Master in Mathematik ab. Darüber hinaus hat er einen Master-Abschluss in Wirtschaft und Finanzen.