Die Deutschen sind begeisterte Sparer, aber nur ungern Aktionäre. Als Kohorte zeigen sie eine kontraproduktive Präferenz für festverzinsliche Produkte. Diese Neigung hat sich kaum geändert, obwohl die Einkommen aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gesunken sind.

Wir wollten uns aber eingehender mit dem deutschen Investitionsverhalten befassen und haben gemeinsam mit dem Wahlbüro GfK eine repräsentative Umfrage unter 10.000 deutschen Einwohnern durchgeführt. Aufgrund der großen Stichprobengröße konnten wir anhand von Alter, Geschlecht, Einkommen und Bildung aussagekräftige Einblicke in die relevanten Untergruppen erhalten.

Die Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass mangelndes Wissen über grundlegende Anlagefragen deutsche Sparer sabotiert. Sie erkennen nicht, dass ihre Anlageziele mit festverzinslichen Produkten in einem Niedrigzinsumfeld mit steigender Inflation nicht erreicht werden können. Paradoxerweise erwarten die meisten Befragten jedoch eine jährliche Rendite von mehr als 2% – und viel mehr als 3% – und erwarten eine höhere Inflation.

Dennoch bleiben sie zinslosen Girokonten und Sparkonten als bevorzugte Anlageinstrumente verpflichtet.

Vielleicht ist die sprichwörtliche „deutsche Angst“ ein Kind der Unwissenheit?

Die 10.000 Teilnehmer der Umfrage wurden nicht nur nach ihrem tatsächlichen Investitionsverhalten gefragt, sondern auch nach ihren Erwartungen für die Zukunft und wie sie investieren würden, um bestimmte Ziele zu erreichen. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Kohorten aufgrund von Wissenslücken und Angst dazu neigen, gegen ihre Interessen zu handeln.

Letztendlich wird die Anhäufung von Wohlstand weniger von der Größe des Geldbeutels als vielmehr vom Geisteszustand bestimmt.

Aus der Umfrage gingen vier wichtige Ergebnisse hervor:

  • Auf die Frage nach dem langfristigen Sparen entschieden sich nur 23% der Befragten, ihr Geld in Aktien oder Aktienfonds zu investieren. Fast 60% bevorzugten Bankkonten oder Lebensversicherungen und beraubten sich damit der Möglichkeit, Vermögen anzusammeln.
  • Die Renditeerwartungen entsprachen nicht den Anlagepräferenzen der Umfrageteilnehmer. In einem Umfeld von nahezu Null für Staatsanleihen und Banksparprodukte erwarten 75% der Befragten eine jährliche Anlagerendite von mehr als 2%. In der Tat erwartete mehr als jeder Fünfte Erträge von mehr als 5%.
  • Bei 40% war die Altersvorsorge die wichtigste Sparmotivation bei den 50- bis 59-Jährigen. Für sie ist es natürlich viel zu spät, um Vermögenswerte aufzubauen. Unter den jungen Menschen, die Zeit haben, um Wohlstand zu erlangen, ist das Sparen für ihre goldenen Jahre nur für 15% das oberste Gebot.
  • Die meisten Umfrageteilnehmer sehen Preisschwankungen bei Anlageprodukten (41%) als das größte Anlagerisiko. Die Angst vor Volatilität war bei jungen Anlegern besonders groß (mehr als 50%). Angesichts ihres langfristigen Anlagehorizonts könnten sie kurzfristige Schwankungen leichter ausgleichen und auf die Rendite der Inflation achten. Aber sie tun es nicht.

Bei der Aufschlüsselung der Umfrage nach demografischen Merkmalen waren die folgenden Ergebnisse bemerkenswert:

  • Etwas mehr als 10% der Frauen würden in Aktien oder Aktienfonds investieren, verglichen mit mehr als 30% der Männer.
  • Die Jungen bevorzugen Aktien weniger als die Alten: etwa 12% bis 26%.
  • Befragte mit geringerer Bildung bevorzugten festverzinsliche Wertpapiere gegenüber Beteiligungen, wobei nur 10% derjenigen, die rund 1.000 € pro Monat verdienen, Aktien bevorzugen, verglichen mit rund 40% derjenigen, die 4.000 € oder mehr verdienen.

Alles in allem weist die Umfrage auf große Wissenslücken in Bezug auf die Kunst des Investierens hin und unterstreicht den dringenden Bedarf an mehr finanzieller Bildung. Das erfordert natürlich sowohl Zeit als auch Engagement, bevor es etwas bewirken kann.

Die vollständige Studie „Warum Deutsche nicht richtig sparen“ kann auf der Website des Flossbach von Storch Research Institute abgerufen werden.

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Alle Beiträge sind die Meinung des Autors. Als solche sollten sie weder als Anlageberatung ausgelegt werden, noch spiegeln die geäußerten Meinungen notwendigerweise die Ansichten des CFA-Instituts oder des Arbeitgebers des Autors wider.

Bildnachweis: © Getty Images / meshaphoto

Thomas Mayer, PhD, CFA

Thomas Mayer, PhD, CFA, ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute. Zuvor war er Chefökonom der Deutschen Bank Gruppe und Leiter von DB Research. Mayer hatte Positionen bei Goldman Sachs, Salomon Brothers und vor seinem Eintritt in den privaten Sektor beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und am Kieler Institut inne. 1982 promovierte er an der Universität Kiel in Wirtschaftswissenschaften. Seit 2003 und 2015 ist er CFA Charterholder und Honorarprofessor an der Universität Witten-Herdecke.