Wie gut können wir im Zeitalter der Integration von Umwelt, Soziales und Governance (ESG) und nachhaltigen Investitionen die Auswirkungen messen?

Nicht sehr, sagt Annu Nieminen, Gründerin und CEO des Upright-Projekts. Nehmen wir zum Beispiel die Kennzahlen zum CO2-Fußabdruck: Zu wissen, dass ein Unternehmen einen doppelt so großen CO2-Fußabdruck hat wie ein anderes, ist ohne Kontext grundsätzlich bedeutungslos. Und doch, wo sind die Tools, die unter anderem diesen Kontext berücksichtigen und uns helfen, eine genaue und ganzheitliche Folgenabschätzung zu berechnen?

Auf der 1. Nordic Investment Conference in Kopenhagen führte Nieminen die Teilnehmer durch die aktuellen Herausforderungen bei der Berechnung der Nettoauswirkungen, wobei insbesondere vier hervorgehoben wurden:

  1. Aktuelle Strategien konzentrieren sich fast ausschließlich auf die Begrenzung von Nachteilen. Zum Beispiel ist ein negatives Screening oder der Ausschluss von Unternehmen und Branchen auf der schwarzen Liste, ohne zuerst deren Nettoauswirkungen zu berücksichtigen, ein kurzsichtiger Ansatz. “Nur das Negative zu minimieren oder das Positive zu maximieren, ist naiv”, sagte Nieminen.
  2. Wir behandeln Auswirkungen so, als ob sie nicht von der Skalierung beeinflusst würden. Zu viele Informationen über sekundäre Faktoren können wirklich aussagekräftige Daten überschatten. Zum Beispiel kann ein großes Unternehmen mit einer schrecklichen Umweltbilanz eine komplette Marketingkampagne für seine Recyclingbemühungen erstellen. Dieses Greenwashing lenkt unsere Aufmerksamkeit ab und führt dazu, dass wir das Unternehmen als wirkungspositiv betrachten, da wir weitere Folgefaktoren ignorieren. Damit umgehen wir sogar eine Annäherung an die tatsächlichen Nettoauswirkungen des Unternehmens.
  3. Wir konzentrieren uns fast ausschließlich auf interne und vorgelagerte Auswirkungen. Selten wird die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigt. Warum? Zum Teil, weil das Verfolgen und Messen dieser Eingaben schwierig und zeitaufwändig ist. . .
  4. Daten werden normalerweise in langen, esoterischen Nachhaltigkeitsberichten versteckt. Die mangelnde Datenkonsistenz bei langen PDF-Dokumenten, die eher wie umfangreiche Marketingbroschüren als wie Datenressourcen aussehen, trägt zum Rätsel bei der Berechnung eines genauen Maßes bei.

Die Wahrheit ist, dass es laut Nieminen keine positiven Auswirkungen gibt. Stattdessen können wir durch die Einbeziehung der negativen Daten in die Gleichung in ihren Worten „die Auswirkungsform einer Anlage / eines Fonds / eines Portfolios herausstellen“.

Leena-Leena

Das Upright-Projekt hat ein Quantifizierungsmodell entwickelt, das ein Nettoauswirkungsprofil von Produkten und Dienstleistungen berechnet. Dieses Modell steht derzeit institutionellen Anlegern und B2B-Dienstleistungsunternehmen zur Verfügung. Leena-Leena, die künstliche Intelligenz (KI) des Upright-Projekts, ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Benutzer können nach Daten zu Zehntausenden von Produkten und Unternehmen suchen. Leena-Leena lernt auch von Benutzern, bittet um Feedback basierend auf ihrem Fachwissen, analysiert ihre Eingaben und bezieht neues Wissen in das Modell ein.

Wie funktioniert dieses Quantifizierungsmodell? Zuerst wird eine Taxonomie der Angebote eines Unternehmens erstellt, dann wird eine Blaupause der wichtigsten Auswirkungen des Unternehmens erstellt. Die beiden werden dann einer Datenbank mit 130 Millionen wissenschaftlichen Artikeln überlagert. Mithilfe der Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP) und tiefer neuronaler Netze erstellt die KI ein Nettoauswirkungsprofil.

Für Nieminen, eine Systemingenieurin und selbsternannte Nerdin, und ihr Team von ebenso nerdigen Idealisten, hätte es ausreichen können, dieses sich selbst verbessernde Modell zu erstellen und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Die wahre Wirkung des Projekts – Wortspiel beabsichtigt – liegt jedoch in der Erkenntnis des 21. Jahrhunderts, dass sich Gewinne und Auswirkungen nicht gegenseitig ausschließen oder gar nicht miteinander verbunden sein müssen.

Mithilfe des Upright-Projektmodells können Anleger nicht nur die volle Wirkung ihres Vermögens messen, sondern auch bestimmen, in was sie investieren können, um bestimmte Nachhaltigkeitsziele und Kundenbedürfnisse zu erreichen. Und sie können sicherstellen, dass ihre Investitionen gleichzeitig mit ihren Finanz- und Wirkungskriterien übereinstimmen.

In den nordischen Ländern, wo ESG König ist, wurde ein AI- und NLP-basiertes Quant-Modell geboren. Die Frage ist: Markiert das Modell des aufrechten Projekts den Beginn einer Ära, in der die positiven Nettoauswirkungen und die Anlagerenditen vollständig aufeinander abgestimmt sind?

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Alle Beiträge sind die Meinung des Autors. Als solche sollten sie weder als Anlageberatung ausgelegt werden, noch spiegeln die geäußerten Meinungen notwendigerweise die Ansichten des CFA-Instituts oder des Arbeitgebers des Autors wider.

Bild mit freundlicher Genehmigung der CFA Society Denmark

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Anastasia Diakaki

Anastasia Diakaki ist Direktorin für Inhalte zur beruflichen Weiterentwicklung in der EMEA-Region am CFA Institute.